Die Zahnarztpraxis im Wrack der Heian Maru

In der Bucht von Chuuk, in Mikronesien liegt das Wrack des japanischen U-boot Tenders Heian Maru in ca. 35 Meter Wassertiefe. Das ehemalige Passagierschiff wurde 1944 im Pazifikkrieg bei der "Operation Hailstone" von amerikanischen Flugzeugen versenkt. Nun liegt sie umgeben von mehr als fünfzig anderen Wracks, der "Ghost Fleet", in der Lagune von Chuuk.

                                                                                                                                         Heian Maru

Schon vor einem Jahr meinte ein amerikanischer Zahnarzt in dem Wrack einen zahnärztlichen Tretbohrer gesehen zu haben. Dem gingen David Stover und ich im Sommer 2016 nach. David erinnerte sich zwar auf welchem Deck des 163 Meter langen Schiffes er das Gerät gesehen hatte, aber nicht die genaue Lage.

Nach längerem Suchen in der Dunkelheit und Enge des Schiffes, vorbei an Torpedos und Munition fanden wir das Artefakt wieder. Durch die Zerstörung der Decks kamen wir nur etwa drei Meter an das Gerät heran. Nach einigen Fotos hatte der Pressluftvorrat die Marke erreicht an dem wir umkehren mußten. Es folgte ein längerer Irrweg zurück durch Stahlstreben und Kabeln, behindert durch aufgewirbeltes Sediment und nach 20 Minuten Dekompressionszeit tauchten wir auf.

                                  HeianMaruWrack

 

Wieder zu Hause begann die Auswertung des Bildmaterials. Mit etwas Glück erhielt ich die Baupläne des Schiffes und konnte die Lage des gefundenen Objektes identifizieren. Wir waren in unmittelbarer Nähe der Krankenstation gewesen. Ein passender Platz für einen Zahnarzttretbohrer. Die Fachleute und Sammler alter zahnmedizinischer Geräte des "Arbeitskreises für Geschichte der Zahnheilkunde" waren zum großen Teil der Ansicht, daß es sich um eine Tretbohrmaschiene handeln würde. Also war es wohl doch keine Nähmaschiene.

     

 tretbohrer     

   Fund im Inneren des Wracks

 

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 Fußtretbohrer, ca. 1915

Ein weiterer Tauchgang an der Heian Maru könnte das Rätsel endgültig lösen. Wenn nur die 48 Stunden Flug nicht wären.

thumbVortrag auf dem "Deutschen Zahnärztetag" 2016