Vom Jahrmarkt zur Wissenschaft

buehneAlle Requisiten und Darsteller sind da: Der dressierte Affe, der Harlekin, der Pelikan auf dem Tisch und der Patient

Vorhang auf, die Vorstellung kann beginnen!

Trommelwirbel tönen über den Marktplatz, Hanswurst und Harlekin treiben ihre Späße und springen zu Fanfarenstößen. 120 Helfer, Schauspieler, Knechte und Musiker ziehen mit Johann Andreas Eisenbarth in die Stadt hinein. Reklameflugblätter werden verteilt. Gekleidet mit Dreispitz auf der großen Perücke und in scharlachrotem Rock erscheint der ”wohlerfahrene Medicus und kunstreiche Operateur”, um das zusammengelaufene Volk von seinen Gebrechen zu heilen. In Magdeburg hat er eine regelrechte Arzneimittelfabrik, wo er seine Heiltränke gegen vielerlei Krankheiten herstellt. Aber seine Zeit, wie die der anderen berühmten und auch berüchtigten Heilkünstler, geht zu Ende. Seßhafte Ärzte, die nicht einfach abreisen wenn die Operation mißlungen ist nehmen ihren Platz ein. Die Wundarzneikunst macht Fortschritte. Vorbei die Zeit der wandernden Quacksalber und Beutelschneider unter den Chirurgen. Auch wenn der ehemalige Gesundheitsminister Seehofer 1998 in einem “Spiegel” -Interview fand, die Zahnärzte hätten sich seitdem nicht geändert.

Eine neue Zeit begann. Die Wissenschaft, allen voran der Franzose Fauchard, hatte die Grundlage für eine neue Zahnheilkunde gelegt. Die gut ausgebildeten Zahnärzte legten die Allongeperücken ab und machten dem medizinische Gemischtwarenhandel mit seinem Hokuspokus ein Ende.

Goldschmiede und Drechsler fingen an für die Zahnbehandler Prothesen zu fertigen. Elfenbein, wie in Rom, oder Nilpferdzähne wurden verwand. Mauleselzähne, Ochsen- und Seekuhzähne waren im Gebrauch. Der Nilpferdzahn war begehrter und teurer, als Elfenbein, da er sich im Munde nicht so schnell verfärbte. Das Beste jedoch waren Menschenzähne, die in die Prothese eingesetzt wurden.

federprotheseNebenstehend eine Prothese aus dem Buch von Fauchard. Die beiden Prothesenteile werden mit Federn an die Kiefer gedrückt. Angeblich soll George Washington nur deshalb auf manchen Porträts so grimmig geschaut haben, da sonst seine Federprothese aus dem Mund gesprungen wäre. Die Arbeit wurde von Greenwood hergestellt. Er fertigte sie nach einem Abdruck, den Washington selbst nahm und sandte die Prothese per Post zu. Washington zahlte 60 Dollar für die Arbeit. Es wird jedoch berichtet, daß er bei offiziellen Essen nur wenig zu sich nahm, den Raum verließ und heimlich im Nebenzimmer eine Suppe aß. Seine Frau Martha wartete eineinhalb Jahre bis der Zahnarzt Fedall nach Mahnungen ihres Mannes ihre Prothese durch einen Diener bringen ließ.

Washingtons Prothese

Erst im 19. Jahrhundert kamen die Fortschritte der Zahmedizin auch dem einfachen Volk zugute. Das Lachgas wurde 1776 erfunden, die zahnärztliche Behandlung unter Betäubung wurde aber erst im

19. Jahrhundert angewandt.